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Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie eine Glocke läuten hören? Wohlige Tiefe, „tönendes Erz“, Weihnachten, Beerdigung, Aufstehen, Friedensgebet, Ostermorgen, Ruhestörung, Heimat? Die Gedanken sind vielfältig und geprägt von unserem bisherigen Leben, wo wir leben, wo wir wohnen. Glocken geben uns Zeit und Stunde, sie weisen uns auf Gottesdienste oder gemeinsame Gebetzeiten hin, sie berühren uns, wenn sie im Zusammenklang einen Festgottesdienst beginnen. Sie können auch Kraft geben, uns anzeigen, dass das Leben weitergeht, wenn wir auf der Stelle treten. Sie weisen uns auf Höhepunkte im Gottesdienst hin, wenn die Taufglocke oder die Vaterunserglocke läutet. Sie künden von uralter Tradition und christlicher Lebensäußerung. Manch alte Glocke tönt seit 700 Jahren –die Menschen damals haben denselben Klang gehört wie wir. Was hat sich doch sonst alles verändert!?

Als wir Renovierungsarbeiten im Turm hatten, mussten die Glocken zwei Wochen lang schweigen. Die Arbeiter auf der benachbarten Baustelle haben die ersten Tage vergessen, Mittag zu machen, die Gottesdienste begannen mit „Karfreitagscharakter“. In diesen Zeiten der Glockenentbehrung wurde uns die Wichtigkeit des Läutens wieder bewusst. Es regelt auch in Zeiten globaler und kabelloser Vernetzung den Tagesablauf und das Schlagen der Turmuhr ersetzt oft den Blick auf die Uhr.

Ist es nicht schön, zu wissen, Glocken läuten die Pause ein? Nehmen wir uns doch mal eine kleine Auszeit, wenn wir eine Glocke hören. Auszeit von der Geschäftigkeit des Alltags, Auszeit von mancher Plage, von Sorgen. In diesen Minuten können wir uns beschenken lassen in dem Bewusstsein, es gibt Höheres als unseren vermeintlich eintönigen Alltag, es gibt Musik, die uns dem Himmel nahebringt.

Auch in unserem täglichen Leben lohnt es sich, zu differenzieren. Wir müssen nicht immer „volle Pulle“ geben. Es gibt genügend Anlässe, die dürfen mit „halber Kraft“ gefahren werden. Das können wir von den Glocken lernen. Der volle Reigen ist manchen Situationen vorbehalten, Bescheidenheit kann den Blick auch mal auf kleinere Dinge lenken, die uns so verborgen bleiben.

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